Ein König regierte lange und gut sein Königreich. Er sorgte sich um sein Volk und schaute immer, dass es allen gut ging. Irgendwann aber war der König alt geworden
und er fand, dass es Zeit wäre, sich zur Ruhe zu setzen. Doch wie sollte er einen genauso würdigen und gütigen Nachfolger finden?
Obwohl er sich sein Leben lang Kinder wünschte, war ihm und seiner lieben Frau nie eines beschert. So blieb ihm nichts anderes übrig, als im ganzen Land zu verkünden, dass ein neuer König gesucht wurde. Er sandte Boten aus, die seine Nachricht in jedem Winkel des schönen Königreichs verbreiteten. Ebenso verkündeten sie die einzige Bedingung für den zukünftigen Nachfolger: Er müsste beweisen, dass er immer genug zu essen für sein Volk habe. Eine schwere Aufgabe.
Als der Tag der Anhörung gekommen war und die Bewerber im Schloss empfangen wurden, standen nur drei Anwärter vor dem Königsthron. Alle anderen waren nicht gekommen, weil sie nicht wussten, wie sie ein Volk ernähren sollten. Der König freute sich außerordentlich, dass es wenigstens drei Personen im Land gab, die sich der Aufgabe stellten. So sprach er zu den Dreien: "Willkommen in meinem Schloss. Ihr kennt die Aufgabe. Der neue König muss wissen, wie er in Zukunft das Volk ernähren kann. Ich bitte euch jetzt um eure Beweise und werde dann entscheiden, ob einer von euch des Thrones würdig ist."
Der erste Bewerber war ein ehrenwerter Mann aus dem Adel, er trat hervor und sagte: "Ich habe säckeweise Edelsteine und Gold. Es sind so viel, dass ich sie nicht alle mitbringen konnte. Aber hier in diesem Sack habe ich die Schönsten zum Beweis dabei. Alle zusammen sind so wertvoll, dass sie länger reichen werden, als mein eigenes Leben dauert, um für das ganze Volk Essen zu kaufen." Der König nickte und bat den Nächsten um seinen Beweis.
Der zweite Bewerber war ein erfolgreicher Geschäftsmann und deshalb sagte er auch sogleich: "Mir gehören die größten Lebensmittelfabriken im Land. Egal, ob Brot, Apfelkuchen oder Nudeln, wir stellen alles her." Und wieder nickte der König und bat nun den letzen Bewerber hervorzutreten. Dieser hatte schmuddelige Klamotten an und war sehr schüchtern, nur zögernd fing er an zu sprechen. "Eure Hoheit, ich habe nicht viel. Das Einzige, was ich besitze, sind meine zwei treuen Gefährten, eine Kuh und ein Bulle. Sie werden bald viele Kälblein bekommen und noch mehr Milch geben. Das ist nicht viel, aber ich würde es mit dem ganzen Volk teilen." Der Adelige und der Geschäftsmann lachten ihn aus: "Eine Kuh und einen Bullen und damit willst du das ganze Volk satt machen?"
Der König zog sich eine Weile zurück, um eine Entscheidung zu treffen. Währenddessen saßen die drei Bewerber vor der Tür. Der Geschäftsmann und der Adelige rätselten, wer von ihnen beiden nun der zukünftige König würde. Der Schüchterne wollte schon gehen, weil er sich keine Chance mehr erhoffte.
Da ließ der König sie wieder zu sich bitten und sagte: "Adeliger, was nützen dir Gold und Edelsteine, wenn es nichts zu kaufen gibt? Essen kannst du beides nicht. Und du Geschäftsmann, natürlich sind Lebensmittelfabriken sehr nützlich, aber was machst du, wenn du kein Mehl, kein Obst und keine anderen Nahrungsmittel mehr hast? Und du, mein schüchterner Freund, du hast nicht nur ein gutes Herz, sondern den besten Beweis. Du wirst schon bald viele Kühe haben, die alle Milch geben. Aus dieser Milch kannst du Butter, Quark, Joghurt, Käse und noch viel mehr machen. Ich gebe dir zu deiner Kuh und deinem Bullen noch einen Sack voll Getreidesamen. Wenn du sie noch zusätzlich anpflanzt, wirst du das Volk selbst durch dürre Zeiten bringen." Und so kam es, dass der schüchterne Mann König wurde und das Volk sorglos weiterlebte.